Steuertipps 2012 für Selbständige

Dinge, an die Sie vor dem Jahresende 2012 denken sollten!

  • Gewinnfreibetrag

Ab 2011 ist die Bemessungsgrundlage für den Gewinnfreibetrag der laufende Gewinn ohne Veräußerungsgewinne und ohne endbesteuerte betriebliche Kapitalerträge aus der Überlassung von Kapital: vor allem Zinsen, Dividenden, Gewinnanteile aus GmbH’s und Genossenschaften. Werden diese Kapitalerträge allerdings zum Tarif regelbesteuert, sind sie Teil der Bemessungsgrundlage (BMG). Substanzgewinne, Gewinne aus Derivaten und Gewinnanteile als stiller Gesellschafter gehören immer zur BMG.

TIPP: Zum investitionsbedingten Gewinnfreibetrag gibt es vielfältige Gestaltungsüberlegungen, insbesondere bei mehreren Betrieben eines Steuerpflichtigen bzw. bei Mitunternehmerschaften. Wir stehen Ihnen gerne für ein Gespräch zur Verfügung.

TIPP: Eventuell kann es auch sinnvoll sein, Wertpapiere innerhalb der 4-Jahresfrist zu verkaufen und stattdessen eine ohnehin geplante begünstigte Gebäudeinvestition zu tätigen.

  • Spenden aus dem Betriebsvermögen

Ab 2012 können nur mehr 10 % des Vorjahresgewinnes abgesetzt werden. Übersteigende Spenden können als Sonderausgaben bis maximal 10 % der Vorjahreseinkünfte nach Verlustausgleich abgesetzt werden (siehe 1. Steuertipps für alle Steuerpflichtigen). Ab 2013 wird sich die Bemessungsgrundlage voraussichtlich am Gewinn des laufenden Jahres orientieren (siehe auch 3. Steuertipps für alle Steuerpflichtigen).

  • Forschung

Für die Beantragung der Forschungsprämie im Bereich der eigenbetrieblichen Forschung gibt es in Zukunft grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

 

  1. Jahresgutachten (ex post) – für ein oder mehrere Forschungsprojekte:

Das Jahresgutachten wird im Nachhinein über Finanz Online bei der FFG beantragt und kann auch mehrere Projekte umfassen. Erfolgskritisch sind dabei die richtige Formulierung des Antrags und die Definition, was das einreichende Unternehmen unter Forschung versteht.

Das Jahresgutachten der FFG bildet die Entscheidungsgrundlage für das Finanzamt. Allerdings trifft es nur Aussagen über das Vorliegen der Förderungswürdigkeit im Sinne des EStG, nicht jedoch bezüglich der Höhe der Bemessungsgrundlage.

 

  1. Projektgutachten (ex ante) – für ein Forschungsprojekt mit einer Laufzeit bis zu drei Jahren:

 

Das Projektgutachten bezieht sich auf ein bestimmtes Forschungsvorhaben mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren und muss im Vorhinein bei der FFG beantragt werden. Voraussetzung dafür ist eine Forschungsbestätigung des zuständigen Finanzamtes gemäß § 118a BAO, für welche im Falle eines positiven Bescheids ein Verwaltungskostenbeitrag in der Höhe von EUR 1.000,– anfällt. Im Falle eines negativen Bescheids sind EUR 200,– zu entrichten.

Die Forschungsbestätigung stellt das Vorliegen von Forschung und Entwicklung dem Grunde nach bescheidmäßig fest, trifft jedoch keine Aussage über die Höhe der Bemessungsgrundlage.

Höhere Rechtssicherheit schafft eine Bestimmung des § 108c Abs. 8 EStG. Der Gesetzgeber bietet damit Unternehmen die Option, die Höhe der Bemessungsgrundlage für die Forschungsprämie bescheidmäßig feststellen zu lassen. Dafür ist jedoch zusätzlich zum Projektgutachten der FFG und der Forschungsbestätigung des Finanzamtes die Bestätigung eines Wirtschafts­prüfers über die Höhe der Bemessungsgrundlage vorzulegen.

Für ein Beratungsgespräch stehen wir gerne zur Verfügung.

  • Allgemeine Aufbewahrungsfrist

TIPP: Es ist empfehlenswert, für die Ausnahmen von der 7-jährigen Aufbewahrungsfrist, dh für Unterlagen, die Grundstücke, anhängige Abgabenverfahren/gerichtliche Verfahren betreffen, Übersichtsblätter bzw. Vermerke in den Akten zu abzulegen. Unterlagen können auch auf Datenträgern aufbewahrt werden, wenn während der gesamten Aufbewahrungsfrist die inhaltsgleiche, vollständige und geordnete Widergabe gewährleistet ist.

  • GSVG-Befreiung für KleinstunternehmerInnen

Wird der Antrag fristgerecht, dh bis Jahresende, gestellt, gilt die Befreiung das ganze UnternehmerInnenleben lang. Ein Verzicht auf die Befreiung ist möglich.

  • KESt neu:

Seit 1. April 2012 ist die neue KESt-Besteuerung in Kraft getreten, mit vielen Aspekten, von denen nachstehend einige angeführt sind. Demnach werden Einkünfte aus Kapitalvermögen (Zinsen, Dividenden und Fondserträge) sowie Einkünfte aus realisierten Wertsteigerungen und verbrieften Derivaten grundsätzlich mit 25 % KESt besteuert. Für Wertpapiere, die jedoch vor dem 1. April 2012 entgeltlich erworben wurden, gilt der Altbestandsschutz mit Anwendung der alten Besteuerungsregelung. Ab dem 1. Jänner 2013 sind zudem Banken verpflichtet, einen laufenden Verlustausgleich vorzunehmen. Diese Regelung ist für den Steuerpflichtigen vorteilhaft, da die Verluste sofort berücksichtigt werden. Bei Fragen zu diesem Thema stehen wir Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung.

  • Immobilienertragsteuer

Hinsichtlich der Veräußerung von privaten Grundstücken wurde im Zuge des Stabilitätsgesetzes 2012 die Spekulationsfrist von grundsätzlich 10 Jahren abgeschafft. Ab dem 1. April 2012 sind grundsätzlich sämtliche Gewinne aus der Veräußerung von Grundstücken steuerpflichtig. Von dieser Besteuerung sind im Wesentlichen der Hauptwohnsitz und selbst hergestellte Gebäude ausgenommen. Der Immobilienertragsteuersatz beträgt 25 %. Hinsichtlich der Bemessungsgrundlage muss jedoch künftig zwischen „Neu-Grundstücken“ und „Alt-Grundstücken“ unterschieden werden. Wenn Sie den Verkauf einer Immobilie planen, empfehlen wir, dies vorher unbedingt mit Ihrem/Ihrer BeraterIn abzusprechen.

  • Grundbucheintragungsgebühr (GGG-Entwurf)

Am 30.10.2012 hat der Ministerrat den vom Justizministerium überarbeiteten Gesetzesentwurf zur Grundbuchsgebührennovelle beschlossen. Für alle Anträge auf Eintragung ins Grundbuch, welche bis 31.12.2012 bei Gericht eingelangt sind, soll noch die ALTE Rechtslage gelten (die Bemessungsgrundlage für die Eintragungsgebühr bei Liegenschaftsschenkungen bzw. Erbschaften ist demnach der 3-fache Einheitswert).

Bei Schenkungen, Erbschaften sowie entgeltlichen Übertragungen innerhalb der Familie ist die Bemessungsgrundlage für die Eintragungsgebühr weiterhin der 3-fache Einheitswert, maximal 30% des Verkehrswerts. Weiters soll der Kreis der begünstigten Familienmitglieder erweitert werden (auf Großeltern, Enkel Geschwister, Nichten bzw. Neffen des Überträgers). Die bisherigen Voraussetzungen des „dringenden Wohnbedürfnisses“ und eines „gemeinsamen Haushalts“ sollen entfallen. Die Begünstigung soll auch für alle Betriebsübertragungen gelten.

  • Kassenrichtlinie

Die Kassenrichtlinie beschreibt verschiedene Arten von Registrierkassen und Kassensystemen, beschäftigt sich mit der Führung der geforderten Aufzeichnungen und geht auf die Erfassung, Aufzeichnung und Aufbewahrung von Daten gemäß den gesetzlichen Vorschriften ein. Sie ist seit 1.1.2012 in Kraft. Sind Maßnahmen zur Sicherstellung der vollständigen und richtigen Erfassung notwendig, sollten diese bis Ende 2012 umgesetzt werden.