Wissenswertes zur Kinderbetreuung

 

Absetzbare Kosten und Voraussetzungen

 

Kinderbetreuung ist teuer und wird deshalb vom Finanzministerium steuerlich gefördert. Bereits seit 2009 können Kosten für die Kinderbetreuung als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend gemacht werden und zwar bis zum Ende jenes Kalenderjahres, in dem der Sprössling das 10. Lebensjahr vollendet. Was alles absetzbar ist und für welche Kinder lesen Sie im folgenden Beitrag.

 

Welche Kosten sind prinzipiell absetzbar?

 

Insgesamt können Kinderbetreuungskosten iHv EUR 2.300,00 pro Kind und Kalenderjahr abgesetzt werden.

Alle Kosten müssen tatsächlich bezahlt worden sein. Werden Betreuungskosten durch einen steuerfreien Zuschuss (z.B. seitens des Arbeitgebers) übernommen, sind nur die um den Zuschuss verminderten Kosten abzugsfähig. Die Betreuung muss außerdem in privaten oder öffentlichen Kinderbetreuungseinrichtungen (z.B. Kindergarten, Hort, Halbinternat, Vollinternat) oder durch eine pädagogisch qualifizierte Person erfolgen.

Abzugsfähig sind nicht nur Kosten für die Kinderbetreuung an sich sondern auch für Verpflegung und das Bastelgeld. Schulgelder für Privatschulen und der Nachhilfeunterricht können nicht berücksichtigt werden. Ebenso unberücksichtigt bleiben Kosten für die Vermittlung von Betreuungspersonal und Fahrtkosten zur Kinderbetreuung.

Bis zum Besuch der Pflichtschule ist stets von einer steuerlich berücksichtigungswürdigen Kinderbetreuung auszugehen. Danach sind die Aufwendungen für den Schulbesuch und für die Betreuung außerhalb der Schulzeit zu trennen. Die Kosten für die „außerschulische“ Betreuung (z.B. Nachmittags-oder Ferienbetreuung) sind abzugsfähig, sofern die Betreuung durch eine pädagogisch qualifizierte Person oder institutionelle Kinderbetreuungseinrichtung erfolgt. Für die Ferienbetreuung (z.B. Ferienlager) können sämtliche Kosten (z.B. auch jene für Verpflegung und Unterkunft, Sportveranstaltungen, Fahrtkosten für den Bus zum und vom Ferienlager) berücksichtigt werden, sofern die Betreuung durch eine pädagogisch qualifizierte Person erfolgt.

 

Kostengrenze von insgesamt EUR 2.300,00 pro Jahr

 

Pro Kalenderjahr sind insgesamt immer nur EUR 2.300,00 als außergewöhnlichen Belastungen absetzbar, auch wenn die tatsächlichen Kosten höher sind oder von mehreren Personen (z.B. Mutter und Vater bzw. unterhaltsverpflichtetem Elternteil) getragen werden.

Nur in besonderen Fällen (z.B. Alleinerzieher) sind auch Ausgaben, die EUR 2.300,00 übersteigen, als außergewöhnliche Belastungen absetzbar, allerdings gekürzt durch einen einkommensabhängigen Selbstbehalt.

 

Um welche Kinder muss es sich handeln?

 

Das Kind darf das zehnte Lebensjahr zu Beginn des Kalenderjahres (Steuerjahres) noch nicht vollendet haben. Zusätzlich muss der mit Kinderbetreuungskosten belasteten Person länger als sechs Monate im Kalenderjahr der Kinderabsetzbetrag zustehen.

 

Beispiel:

Feiert das Kind z.B. am 2. August 2014 seinen 10. Geburtstag, werden alle bis Jahresende 2014 anfallenden Kinderbetreuungskosten berücksichtigt. Im Falle eines „freiwilligen Lohnsteuerausgleichs“ können daher Eltern (teilweise bis zu 5 Jahre rückwirkend) Geld vom Finanzminister zurückholen!

 

 

Welche Möglichkeiten gibt es bei behinderten Kindern?

 

  • Eltern von Kindern mit einer Behinderung (für welche erhöhte Familienbeihilfe bezogen wird) steht generell zur Abgeltung von Mehraufwendungen ein monatlicher pauschaler Freibetrag von EUR 262,00 zu.
  • Darüber hinaus können Unterrichtskosten in einer Sonder- und Pflegeschule oder Kosten für eine Behindertenwerkstätte im nachgewiesenen Ausmaß steuerlich geltend gemacht werden.
  • Zusätzlich können auch noch Kinderbetreuungskosten, die nicht im Zusammenhang mit einer Sonder-/Pflegeschule oder Behindertenwerkstätte stehen für Kinder bis zum 16. Lebensjahr iHv maximal EUR 2.300,00 Euro pro Kind p.a. steuerlich abgesetzt werden. Im Fall von pflegebedürftiger Betreuung sind diese Kosten um ein erhaltenes Pflegegeld zu kürzen.

 

 

Geltendmachung in Rechnung gestellter Kosten und erforderliche Nachweis

 

Seit 2009 können Kosten für die Kinderbetreuung iHv EUR 2.300,00 pro Kind und Kalenderjahr als außergewöhnliche Belastung steuerlich abgesetzt werden und zwar bis zum Ende jenes Kalenderjahres, in dem das Kind das 10. Lebensjahr vollendet. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, wer Kinderbetreuungskosten absetzen kann, welche Personen die Kinder betreuen müssen und wie der Nachweis zur steuerlichen Abzugsfähigkeit der Kosten zu erbringen ist.

 

 

Wer kann die Kosten absetzen?

 

  • Die Person, der der Kinderabsetzbetrag für mehr als sechs Monate im Kalenderjahr zusteht, oder
  • dessen (Ehe-)Partner oder
  • der unterhaltsverpflichtete (z.B. geschiedene) Elternteil, wenn ihm der Unterhaltsabsetzbetrag für mehr als sechs Monate im Kalenderjahr zusteht, soweit die Kinderbetreuungskosten zusätzlich zum Unterhalt geleistet werden.

 

Jede dieser Personen kann die von ihm getragenen Kosten absetzen. Insgesamt dürfen aber nicht mehr als EUR 2.300,00 pro Kind und Kalenderjahr abgesetzt werden.

Im Falle der Überschreitung der Kostengrenze erfolgt eine Aufteilung im Verhältnis der Kostentragung.

 

 

Von wem muss das Kind betreut werden?

 

Die Betreuung muss von einer öffentlichen (z.B. Bund, Länder, Gemeinden bzw Gemeindeverbänden,…) oder privaten (z.B. Vereine, Kirchen, Religionsgemeinschaften,…) institutionellen Kinderbetreuungseinrichtung oder von einer pädagogisch qualifizierten Person (z.B. Tagesmutter) erfolgen.

 

Kinderbetreuungseinrichtungen sind bspw.

  • Kinderkrippen (Kleinkindkrippen, Krabbelstuben),
  • Kindergärten (allgemeine Kindergärten, Integrations-, Sonder- und Übungskindergärten),
  • Betriebskindergärten,
  • Horte (allgemeine Horte, Integrations-, Sonder- und Übungshorte),
  • Internate,
  • altersgemischte Kinderbetreuungseinrichtungen (z.B. Tagesheimstätten, Kindergruppen, Kinderhäuser),
  • elternverwaltete Kindergruppen,
  • Spielgruppen,
  • Kinderbetreuung an Universitäten.

 

Unter Pädagogisch qualifizierten Personen im steuerlichen Sinn versteht man Personen, die eine Ausbildung zur Kinderbetreuung und Kindererziehung oder Elternbildung im Mindestausmaß von 8 Stunden (ab dem vollendeten 21. Lebensjahr) bzw. 16 Stunden (vom vollendeten 16. bis zum vollendeten 21. Lebensjahr) nachweisen können.

 

TIPP: Wenn das Kind von einer pädagogisch qualifizierten Person, die ein Angehöriger (z.B. Oma, Geschwister,…) ist, betreut wird, sind diese Kinderbetreuungskosten nur dann absetz.B.ar, wenn die Person in einem anderen Haushalt als das Kind lebt!

Weiters besteht die Möglichkeit mittels abgeschlossener, einschlägiger Berufsausbildung eine pädagogische Qualifizierung nachzuweisen (z.B. Kindergartenpädagogin, Lehrgänge für Tageseltern oder Au-Pair-Schulung,…). Ob ein qualifizierender Kurs vorliegt, ist bei der entsprechenden Organisation zu erfragen.

 

Die Kinderbetreuungskosten können erst dann steuerlich berücksichtigt werden, wenn die Betreuungsperson über die erforderliche Ausbildung (z.B. Abschluss der Schulung) verfügt. Bei Au-Pair-Kräften können die Kosten der Kinderbetreuung ab Beginn des Au-Pair-Aufenthalts berücksichtigt werden, wenn die Schulung der Kraft innerhalb der ersten beiden Monate des Au-Pair-Einsatzes in Österreich erfolgt.

 

 

Wie erfolgt der Nachweis gegenüber dem Finanzamt?

 

Die Kinderbetreuungseinrichtung bzw. die pädagogisch qualifizierte Betreuungsperson muss eine Rechnung bzw. einen Zahlungsbeleg ausstellen. Folgende Angaben sind erforderlich:

  • Name und Sozialversicherungsnummer des Kindes
  • Rechnungsempfänger (Name und Adresse)
  • Ausstellungsdatum
  • Fortlaufende Rechnungsnummer
  • Zeitraum der Betreuung
  • Name und Anschrift der Kinderbetreuungseinrichtungen und bei privaten Einrichtungen zusätzlich ein Hinweis auf die Bewilligung zur Führung der Einrichtung
  • Name, Anschrift und Sozialversicherungsnummer der pädagogisch qualifizierten Personen und Bestätigung der Qualifikation durch Beilage einer Kopie der Kursbestätigung bzw. des Zeugnisses
  • Rechnungsbetrag (gegebenenfalls mit Umsatzsteuer, wenn kein Kleinunternehmer).

 

Die Nachweise sind sieben Jahre aufzubewahren und nach Aufforderung dem Finanzamt vorzulegen.