Behandlungsfehler mangels neurologischer Untersuchung

Fällt eine Nervenschädigung bei einer orthopädischen Operation in den Bereich der möglichen typischen Risiken, so ist für die Abklärung dieser Frage die Beiziehung eines Neurologen lege artis und kann im Falle des Unterlassens einen Behandlungsfehler bedeuten. In der konkreten Entscheidung war das beklagte Krankenhaus auch schadenersatzpflichtig.


 

Vorgezogener Kontrolltermin

Anlässlich einer bei einer orthopädischen Operation eingesetzten Schraube traten postoperativ massive Beschwerden des Klägers auf, sodass ein frühzeitiger Kontrolltermin vereinbart wurde, wobei trotz Vorliegen ausreichender Anhaltspunkte und Verdachtsmomente hinsichtlich Irritation des Ischiasnervs weder die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und / oder eine Neurosonographie veranlasst wurden.

 

Neurologische Nachuntersuchung unterlassen

Im konkreten Fall kamen die Vorinstanzen (1 Ob 111/19h) zum Ergebnis, dass ein pflichtgetreuer und somit lege artis handelnder Arzt eines orthopädischen Krankenhauses in der konkreten Situation aufgrund des ernstzunehmenden Risikos einer Nervenschädigung eine neurologische Nachuntersuchung veranlasst hätte und somit die mechanische Irritation des Ischiasnervs rechtzeitig diagnostiziert worden wäre. Somit lag im Ergebnis ein Behandlungsfehler vor.

 

Mag. iur. Barbara Hauer, LL.M., MBA