Strenger Aufklärungsmaßstab bei Kosmetikbehandlung

Behandlungen, die aus medizinischen Gründen nicht geboten sind, sondern lediglich das optische Erscheinungsbild verbessern sollen, unterliegen einem sehr strengen und umfassenden Aufklärungsmaßstab. Auch statistisch unwahrscheinliche Risiken können daher relevant sein. Konkret haftete der Arzt wegen eines Aufklärungsfehlers.


 

Klage nach Kryolipolysebehandlung

Die Klägerin ließ sich im Mai 2017 mittels einer nicht invasiven Kälteanwendung beide Oberschenkelinnenseiten zur Verminderung des Fettgewebes behandeln. Danach verblieben Kontureffekte, für deren Behebung die Klägerin bereits Euro 2.500,– aufwendete. Sie begehrte diesen Betrag sowie Schmerzengeld, Unkosten und Rückerstattung des an den Facharzt bezahlten Honorars. Entsprechend ihrer Begründung hätte sie der Behandlung bei einer ordnungsgemäßen Aufklärung über diese Risiken nicht zugestimmt.

 

Arzthaftung bestätigt

Das Erstgericht gab dieser Klage wegen eines Aufklärungsfehlers statt, das Berufungsgericht bestätigte dieses Urteil und ließ die Revision zu, welche jedoch der OGH (5 Ob 179/19p) nicht zur zulässig erachtete. Nach ständiger Rechtsprechung des OGH hat die Aufklärung umso weitreichender zu erfolgen, je weniger dringlich die Behandlung ist. Gerade bei kosmetischen Eingriffen werden daher besonders hohe Anforderungen gestellt.

 

Mag. iur. Barbara Hauer, LL.M., MBA