Arzt verletzt Kollegen bei Fortbildung

Bei einer während einer Notarztfortbildung durchgeführten praktischen Übung zugefügten Rippenverletzung eines Arztkollegen wurde ein Schadenersatzanspruch verneint. Derartige Verletzungen zählen bei Anwendung des so genannten Heimlich-Handgriffs zu den typischen Risiken und der Arzt hat die notwendige Sorgfalt bei dieser Praxisübung aufgewendet.

 

Rippenverletzung während Notarztausbildung

Laut Sachverhalt waren beide Ärzte – sowohl der Kläger als auch der Beklagte – Teilnehmer eines gesetzlich vorgeschriebenen Notarztausbildungsseminars. Im Zuge dessen erläuterte der Leiter der Fortbildung zunächst theoretisch, wie ein Fremdgegenstand aus dem Körper eines Patienten entfernt werden kann. Zur praktischen Übung legte der beklagte Arzt entsprechend dieser Anleitungen von hinten die Arme um den Körper des klagenden Arztes, bildete eine Faust beim Oberbauch des Klägers und drückte leicht zu. Dabei wurde die 6. Rippe „angeknackst“, zumal der Kläger im Rippenknorpelbereich Verkalkungen aufwies, die im Falle einer Brustkorbkompression derartige Verletzungen begünstigen.

 

Schadenersatz verneint

Beim deliktischen Schadenersatz trägt der Geschädigte die Beweislast für das Vorliegen aller Anspruchsvoraussetzungen für ein ursächliches, adäquates, rechtswidriges und schuldhaftes Verhalten des Arztes[1], welcher die theoretisch erlernte Technik bei seinem Arztkollegen praktisch anwandte. Dem Kläger sei „dieser Beweis hinsichtlich des Verschuldens des Beklagten am Eintritt des Schadens und an der für die Fahrlässigkeitsschuld erforderlichen Voraussehbarkeit der Verletzung im konkreten Einzelfall[2] nicht gelungen“, so die Ausführungen des Gerichtes[3] (OGH 9 Ob 20/20m). Der begehrte Schadenersatzanspruch iHv ca. 10.000,– stand daher nicht zu.

 

Mag. iur. Barbara Hauer, LL.M., MBA

 

 

[1] RS0022560, T20.

[2] RS0112489, T2.

[3] Das Berufungsgericht ließ die ordentliche Revision zu hinsichtlich der Frage, ob die bei der Sportausübung sowie bei der Teilnahme an Spielen mit einem gewissen Gefährdungs- und Verletzungspotential aufgestellten Grundsätze des Handelns auf eigene Gefahr auch für praktische Übungen bei einem Notarztseminar oder einem Erste-Hilfe-Kurs anwendbar seien. Der OGH erachtete hingegen diese mangels Aufzeigens einer erheblichen Rechtsfrage für nicht zulässig.